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Von Marius Joa. Publiziert am 22. Januar 2023

Die abrupte, einseitige Kündigung einer Freundschaft auf der titelgebenden Insel, davon handelt Regisseur Martin McDonaghs (“Brügge sehen…und sterben?”, “Three Billboards Outside Ebbing, Missouri”) neuester Film, “The Banshees of Inisherin”.

 

Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht – Staffel 1

Von Marius Joa. Publiziert am 12. November 2022

Seit einigen Wochen liegt die erste Staffel von Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht vollständig vor, nun folgt die dazugehörige Rezension.

Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht – Staffel 1
(The Lord of the Rings: The Rings of Power – Season 1)
Fantasyserie USA 2022. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. 8 Folgen. Gesamtlänge: ca. 560 Minuten.
Mit: Cynthia Addai-Robinson, Owain Arthur, Robert Aramayo, Maxim Baldry, Nazanin Boniadi, Morfydd Clark, Ismael Cruz Córdova, Charles Edwards, Trystan Gravelle, Lenny Henry, Markella Kavanagh, Joseph Mawle, Geoff Morrell, Tyroe Muhafidin, Sophia Nomvete, Lloyd Owen, Megan Richards, Dylan Smith, Charlie Vickers, Benjamin Walker, Daniel Weyman, Sara Zwangobani u.v.a. Nach J.R.R. Tolkien. Adaption: J.D. Payne und Patrick McKay. Regie: J.A. Bayona, Wayne Che Yip, Charlotte Brändström.

 


Wo ist Sauron?

Mittelerde, im Zweiten Zeitalter. Lange Zeit nachdem es gelang den Dunklen Herrscher Morgoth im Krieg des Zorns endgültig zu besiegen scheint Frieden eingekehrt. Doch Elbenkriegerin Galadriel (Morfydd Clark) ist sich sicher, dass Morgoths oberster Diener Sauron noch immer heimlich sein Unwesen treibt. Mit einigen Soldaten sucht sie unermüdlich nach Spuren des Bösen im Norden Mittelerdes. Auf Befehl von Gil-galad (Benjamin Walker), dem Hohen König der Elben, soll Galadriel die Suche ruhen lassen. Auch ihr langjähriger Vertrauter Elrond (Robert Aramayo) rät ihr, ihr Leben als Kämpferin zu beenden und in Frieden zu leben. Elrond erhält von Gil-galad den Auftrag, dem gefeierten Schmied Celebrimbor (Charles Edwards) bei dessen neuer Unternehmung zu unterstützen. Dazu benötigen sie die Hilfe der Zwerge. Prinz Durin (Owain Arthur) vom Zwergenreich Khazad-dûm erweist sich allerdings als wenig gesprächsbereit.

Unterdessen bemerkt eine Gruppe von Harfüßen, einem im Verborgenen lebenden kleinen Volk, merkwürdige Vorkommnisse in der Natur. Ihr Anführer und Wegfinder Sadoc Burrows (Lenny Henry) weiß sich keinen Reim darauf zu machen. Das junge Harfuß-Mädchen Elanor “Nori” Brandyfoot (Markella Kavanagh), Tochter des Radmachers Largo Brandyfoot (Dylan Smith), und ihre beste Freundin Poppy Proudfellow (Megan Richards) finden einen geheimnisvollen Fremden (Daniel Weyman), der einem abgestürzten Kometen entsteigt. Obwohl ihnen der Kontakt zu anderen Völkern streng untersagt ist verstecken Nori und Poppy den Fremden vor den anderen Harfüßen.

In den Südlanden soll der Beobachtungsposten von Waldelb Arondir (Ismael Cruz Córdova) und seinen Mitstreitern aufgelöst werden. Jahrzehntelang hatten die Elben jene Menschen, deren Vorfahren einst an der Seite Morgoths gekämpft hatten, überwacht. Obwohl von den Menschen mit Misstrauen und Ablehnung behandelt hat Arondir mit der Zeit die menschliche Heilerin Bronwyn (Nazanin Boniadi) in sein Herz geschlossen. Bronwyns Sohn Theo (Tyroe Muhafidin) hat die Überreste einer merkwürdigen Waffe gefunden, die er vor seiner Mutter versteckt hält. Dunkle Vorgänge erregen schließlich die Aufmerksamkeit Arondirs. Bei Nachforschungen wird er von einer Horde Orks, welche unter dem Befehl des mysteriösen Adar (Joseph Mawle) stehen, gefangengenommen.

Auf dem Weg in den Westen trifft Galadriel auf eine Gruppe Schiffbrüchige. Gemeinsam mit Halbrand (Charlie Vickers), einem Mann aus den Südlanden, erreicht sie schließlich Numenor, ein Inselkönigreich, welches einst den Menschen als Dank für ihre Teilnahme am Kampf gegen Morgoth gegen wurde. Die Ankunft der Elbin sorgt aber für Unruhe bei Numenors Königin-Regentin Tar-Miriel (Cyntha Addai-Robinson) und ihrem obersten Berater Pharazôn (Trystan Gravelle). Etwas freundlicher wird Galadriel dagegen von Elendil (Lloyd Owen), dem Hauptmann der Seewache, empfangen.

Auf die Entstehungsgeschichte der auf den Anhängen von J.R.R. Tolkiens Romanepos Der Herr der Ringe basierenden Serie bin ich bereits bei meinem Review zu den ersten beiden Folgen eingegangen. Doch vor dem Gesamtbewertung der ersten Staffel möchte ich noch Einiges klarstellen. Man muss Die Ringe der Macht nicht mögen. Es wird auch niemand gezwungen, die Serie anzuschauen. Man darf die Produktion auch konstruktiv kritisieren, aber Hass gegen die Serien-Macher im Allgemeinen und in Form von rassistischen Angriffen gegen die nichtweißen Schauspieler im Besonderen sind absolut indiskutabel und menschenverachtend. Die folgenden Zeilen (wie auch die Rezension zu den beiden Auftaktfolgen) sind mein Versuch, einer konstruktiven Auseinandersetzung mit Staffel 1 im Ganzen, der Versuch einer differenzierten Meinung, die natürlich nicht frei von subjektiver Wahrnehmung sein kann.

Der recht positive Eindruck nach den Episoden 1 und 2 hat sich über die restliche Season leider nicht ganz halten können. Allein dem Umstand geschuldet, dass die Vorlage der Serie, die Anhänge zum Roman von Tolkien, eine 130 Seiten lange Aneinanderreihung von Annalen, Chroniken, Erläuterungen usw., keine auserzählte Geschichte darstellt, war es notwendig, dass die Autoren um das Showrunner-Duo J.D. Payne und Patrick McKay die Leerstellen zwischen den angegebenen Eckdaten mit eigenen Ideen und neuen Elementen füllen. Ein Großteil der Handlungsstränge erweist sich als gelungen, leider nicht alle. Die Origin Story von Isildur, welcher ja noch eine entscheidende Rolle zu spielen hat, erinnerte mich an recht austauschbare Young-Adult-Ware. Seine Schwester Eärien und Kemen, Sohn von Pharazôn, welche beide für die Show geschaffen wurden, hätte man sich aus meiner Sicht komplett sparen können, denn sie haben wenig zu tun.

Obgleich es gut ein Dutzend Hauptfiguren gibt, so steht Elbin Galadriel, hier noch nicht die weise Lenkerin im Hintergrund aus dem Roman sowie beiden Mittelerde-Filmtrilogien von Peter Jackson, sondern eine viel jüngere, aktivere und entschlossenere Frau, im Mittelpunkt. Ihr unbändiger Wille das Böse aus der Welt zu schaffen bildet einer der zentralen Kernpunkte. Ihre Haltung wirkt an sich auch nachvollziehbar, nur erweist sich der Charakter insgesamt als zu verbissen, was nicht nur an der Performance von Morfydd Clark (David Copperfield – Einmal Reichtum und zurück, His Dark Materials: Staffel 1, Dracula [2020]), sondern auch an der Ausarbeitung durch die Autoren liegt. Aus inhaltlicher Sicht wirkte das Staffelfinale auf mich äußerst forciert, weil es einige Storyarcs zu überhastet auflöst. Nicht nur dass am Ende noch schnell im Titel erwähnte Schmuckstücke geschmiedet werden müssen, es kommt auch zur großen Enthüllung, hinter welchem Charakter sich denn nun Sauron verbirgt. Für mich haben sich die Serienautoren damit selbst ein Bein gestellt, denn wäre es doch viel spannender gewesen, dieses Geheimnis erst im Verlauf der zweiten Staffel oder gar noch später zu lüften. Bin ich eigentlich der einzige, der sich bei Saurons Zwiegespräch mit einer anderen Figur irgendwie an Penny Dreadful erinnert fühlte?

Doch erst einmal genug gemäkelt. Im Großen und Ganzen funktioniert Die Ringe der Macht für mich nämlich gut. Aus produktionstechnischer Sicht gibt es hier nicht wirklich etwas zu meckern. Die ein oder andere Computer-Animation in Numenor hätte man vielleicht ein wenig besser machen können, doch wer die visuellen Effekte für schlecht hält, hat mit Sicherheit noch nie ein Machwerk aus der Billigstfilmschmiede The Asylum gesehen. Auch die mancherorts gelesene negative Reaktion auf die Dialoge kann ich nicht nachvollziehen. Ich habe die Serie in der englischen Originalfassung gesehen und bin von den sprachlich hochwertigen Dialogen sehr angetan. Was Ästhetik und Designs betrifft so beschreitet Die Ringe der Macht eine Gratwanderung. Die bereits maßgeblich an der Herr der Ringe-Filmtrilogie und dem Hobbit-Dreiteiler beteiligten neuseeländischen Firmen Weta Workshop und Weta Digital zeichneten erneut für Make Up-Effekte, Requisiten, digitale Effekte und mehr verantwortlich. Viele Elemente erinnern daher an Jacksons Filme (wodurch sich deren Fans auch prächtig abholen lassen) und doch gibt es auch immer wieder Neues zu erleben, auch in erzählerischer Hinsicht.

Als sehr solide präsentiert sich auch die Musik zur Serie von Bear McCreary (Battlestar Galactica), der das Titelthema gremeinsam mit Howard Shore, dem Komponisten des Filmtrilogie-Scores, schuf. Die epische Breite und Komplexität von Shores Arbeiten gehen McCrearys Serien-Score etwas ab, doch gelingt es den einzelnen Völkern und Orten unterschiedliche Themen zu widmen. Im Abspann der letzten Folge hört man Where the Shadows Lie, eine vertonte Version des bekannten Ringgedichtes, gesungen von Fiona Apple, welche schon den Titelsong von The Affair performte. Ein illustres Ensemble von Akteuren aus diversen Ländern wurde für die Serie versammelt. Besonders gefallen haben mir Robert Aramayo (Game of Thrones: Staffel 6 und Staffel 7, Sie weiß von dir) als jüngerer Elrond, Owain Arthur als Zwergenprinz Durin, Sophia Nomvete als dessen temperantvolle Gattin Disa, Markella Kvanagh (Picnic at Hanging Rock [Serie]) als neugieriges Harfuß-Mädchen Nori, Megan Richards (Pan Tau [2020]) als Noris vorsichtigere beste Freundin Poppy und Ismael Cruz Córdova (The Undoing) als stoischer Elbenkrieger Arondir.

Im Ranking der bisherigen Live-Action-Adaptionen von Tolkiens Werken reiht sich Staffel 1 von Die Ringe der Macht in der Mitte ein. Die durchgehend hohe Qualität der Herr der Ringe-Filmtrilogie wird aus meiner Sicht nicht erreicht, doch platziert sich die Serie etwas vor den Hobbit-Filmen, einfach weil die Machart viel plastischer wirkt und dank des wirkungsvoll-sparsamen Einsatzes von Actionszenen. Die bereits bestellte zweite Staffel werden wir wohl erst 2024 zu Gesicht bekommen. Seit Anfang Oktober 2022 laufen die Dreharbeiten, welche bis auf Second-Unit-Aufnahmen von Neuseeland ins Vereinige Königreich verlagert wurden.

Die komplette erste Staffel von Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht ist seit dem 14. Oktober 2022 Teil des Angebots von Amazon Prime.

Fazit: Inszenatorisch starke Fantasyserie, inhaltlich mit Luft nach oben. 7 von 10 Punkten.

 


Marius Joa, 12. November 2022. Bilder: Amazon/New Line Cinema.

 

 

 

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