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Viel Spaß!
Von Marius Joa. Publiziert am 27. September 2020

In “Killing Gunther”, dem Regiedebüt des Schauspielers und Comedians Taran Killam, trommelt ein aufstrebender Auftragskiller eine Gruppe von Kollegen zusammen, um die Nummer Eins im Hitman-Business zu liquidieren.

 

Penny Dreadful: City of Angels

Von Marius Joa. Publiziert am 20. August 2020

2016 beendete John Logan seine überaus gelungene viktorianische Horror-Serie Penny Dreadful mit der dritten Staffel. Vier Jahre später gibt es mit Penny Dreadful: City of Angels eine Show mit neuem Setting, die als Spin-Off vermarktet wird. Doch wie viel haben “Original” und “Nachfolger” wirklich gemeinsam?


Penny Dreadful: City of Angels
Gesellschaftsdrama/Horror USA 2020. 10 Folgen (Staffel 1). Gesamtlänge: ca. 550 Minuten. TV-Erstausstrahlung: 8. Juni 2020.
Mit: Natalie Dormer, Daniel Zovatto, Kerry Bishé, Adriana Barraza, Jessica Garza, Michael Gladis, Rory Kinnear, Nathan Lane, Johnathan Nieves, Santino Barnard, Sebastian Chacon, Amy Madigan, Dominic Sherwood u.v.a. Idee: John Logan.

 



Stadt der Mauern oder Logans Horror-Mogelpackung

Los Angeles im Jahre 1938. Tiago Vega (Daniel Zovatto) wird als erster US-Bürger mexikanischer Abstammung zum Detective des Los Angeles Police Departments ernannt. Gemeinsam mit seinem Partner, dem erfahrenen jüdischen Detective Lewis Michener (Nathan Lane) soll Tiago im Mordfall an Familie Hazlett ermitteln. Die Art und Weise, wie die Leichen hergerichtet wurden, deuten auf Mitglieder der mexikanischen Community als Täter hin. Captain Vanderbilt (Brent Spiner) fordert von den beiden Cops um der guten Ordnung willen eine schnelle Aufklärung. Der von Stadtratsmitglied Charlton Townsend (Michael Gladis) geplante Bau einer Autobahn sorgt für Zündstoff, weil die Route der neuen Straße direkt durch Belvedere Heights, das Wohnviertel der Mexikaner, gehen soll. Aktivist Raúl Vega (Adam Rodriguez), Tiagos älterer Bruder, und seine Mitstreiter wollen mit allen Mitteln gegen den drohnenden Abriss ihrer Häuser vorgehen. Bei einer Blockade durch die Bewohner kommt es zu einer blutigen Konfrontation mit der Polizei.

Maria (Adriana Barraza), Mutter von Tiago und seinen Geschwistern, und seit dem Tod des Vaters vor Jahren Oberhaupt der Familie, arbeitet als Hausmädchen bei dem aus Deutschland stammenden, freundlichen Kinderarzt Dr. Peter Craft (Rory Kinnear). Trotz zweier wundervoller Söhne ist Craft in seiner Ehe mit der psychisch labilen Linda (Piper Perabo) unglücklich. In seiner Praxis trifft Peter die ebenfalls deutschstämmige Elsa (Natalia Dormer), die mit ihrem Sohn Frank (Santino Barnard) unter einem gewalttätigen Ehemann zu leiden scheint. Die Spur im Hazlett-Mordfall führt Tiago und Lewis zum “Joyful Voices”-Tempel, einer christlichen Kirchenorganisation, welche durch die bekannte Radioevangelistin Sister Molly (Kerry Bishé) repräsentiert wird.

Weil er und seine Schwester Josefina (Jessica Garza) immer wieder von rassistischen weißen Polizisten schikaniert werden schließt sich Mateo (Johnathan Nieves), jüngster Vega-Bruder, einer Gruppe von Pachucos um den charismatischen Fly Rico (Sebastian Chacon) und dessen androgyner Gefährtin Rio (Natalie Dormer) an, die gegen die Unterdrückung der mexikanischen Einwanderer kämpfen. Um seinen Traum vom Bürgermeisteramt näher zu kommen schließt Townsend unterdessen einen Pakt mit Richard Goss (Thomas Kretschmann), einem Architekten der Nazis…

Das Ende von Penny Dreadful nach drei Staffeln und insgesamt 27 Episoden schockte 2016 viele Fans und hinterließ auch bei mir seine Spuren. Der Schlusspunkt erschien mir zwar hinsichtlich des Schicksals der zentralen Hauptfigur absolut logisch und nachvollziehbar, kam aber definitiv zu früh und bedeutete auch ein etwas zu überhastet herbeigeführtes Finale der im viktorianischen London spielenden Horror-Serie. Die Produktion des US-Kabelsenders Showtime zeichnete sich vor allem durch eine Neu-Interpretation von Figuren und Themen aus der viktorianischen Phantastik aus. Die Charaktere um Dr. Frankenstein, seine Kreatur, Dorian Gray und die von dunklen Mächten umworbene Vanessa Ives mussten nicht nur gegen Monster sondern auch die eigenen (inneren) Dämonen kämpfen. Mit dem frühzeitigen Ende hatte Serienschöpfer und Chefautor (der die Skripts zu fast allen Folgen schrieb) John Logan (u.a. Gladiator, Star Trek: Nemesis, Last Samurai, Aviator, Sweeney Todd, Hugo Cabret sowie die James Bond-Filme Skyfall und Spectre) den Zorn einiger PD-Fans heraufbeschworen, von denen manche – so könnte man meinen – den amerikanischen Bühnen-, Film- und Fernsehautoren seitdem für den Antichristen persönlich halten. Die Ankündigung des im Los Angeles der späten 1930er Jahre spielenden Spin-Offs City of Angels sorgte daher für eine gespaltene Reaktion. Wie man es vom Star Trek-Fandom kennt lehnten manche Anhänger die neue Serie ab ohne zuvor eine Milisekunde an Material davon gesehen zu haben. Auch wenn ich gegen jede Form der Vorverurteilung bin so sollten die “Das ist nicht Penny Dreadful“-Stimmen im konkreten Falle recht behalten.

Ausgerechnet die Verbindung zur “Original”-Serie, nämlich der “Horror-Faktor”, erweist sich als größter Schwachpunkt von City of Angels. Dabei bot das neue Setting mit seinem Schwerpunkt auf mexikanisch-amerikanischer Folklore durchaus das Potenzial, der Nachfolger im Geiste von Penny Dreadful zu werden. Bereits nach der Sichtung von wenigen Folgen wirkte der übersinnliche Teil auf mich unorganisch und aufgesetzt, weil er nicht so wirklich zum Rest passen wollte. Als zentralen Aufhänger für die höheren Mächte dienen Santa Muerte (Lorenza Izzo), die mexikanische Schutzheilige der Verstorbenen, und ihre Schwester, die böse Dämonin Magda (Natalie Dormer). Santa Muertes Aufgabe besteht darin, gelegentlich aufzutauchen und die Seelen der gerade Verschiedenen “einzusammeln”. Mit der Hilfe mehrerer “Inkarnationen” sät ihre Gegenspielerin Magda Zwietracht unter den Menschen in LA und will so einen großen, zerstörerischen Krieg zwischen den Rassen entfachen. Zum Vergleich, das wäre etwa genauso wie wenn sich in Penny Dreadful Lucifer und Dracula bisweilen darüber ausgetauscht hätten wie sie Vanessa für sich gewinnen wollen.

Magdas “Inkarnationen” werden fast alle von Natalie Dormer (Die Tudors, Game of Thrones) verkörpert. Die britische Schauspielerin macht ihre Sache grundsätzlich nicht schlecht, aber irgendwann ging sie mir dann noch etwas auf die Nerven, was daran liegen mag, dass ihre Rollen aus meiner Sicht etwas zu dick aufgetragen sind. Als Quelle des einzig wirklichen Horrors fungiert Frank, der viele Charakteristika des aus einschlägigen Filmen bekannten dämonischen Kindes in sich vereinigt und eigentlich Hauptfigur seiner eigenen Serie sein könnte: American Horror Story: Frank.

Viel gelungener als die ganze Gruselgeschichte erscheint das im Grunde zeitlose Gesellschaftsdrama, welches Logan hier inszeniert und das teils an Babylon Berlin erinnert. Drohten in der preisgekrönten deutschen Großproduktion diverse politische Kräfte die deutsche Hauptstadt zu zerreißen so sind es bei City of Angels die Konflikte unter den verschiedenen Ethnien, vor allem zwischen den weißen Amerikanern und den Bürgern lateinamerikanischer Herkunft. Inmitten dieser beiden Fronten: der junge Polizist Tiago Vega, wegen seines Jobs fast gleichermaßen von beiden Seiten abgelehnt und angefeindet. Auch die Familie Vega droht zeitweise unter diesem Pulverfass zu zerbrechen. Die hier gezeigte Stadt der Engel braucht auch keine übermenschlichen Entitäten, um sich gegenseitig das Verderben zu bringen. Das vollbringen die Menschen ganz alleine, vor allem in Person des überambitionierten Townsend, des aalglatten Nazi-Architekten Richard Goss oder der gnadenlosen “Geschäftsfrau” Adelaide Finnister (Amy Madigan). Hinsichtlich Rassismus und Polizeigewalt mag die Serie realitätsnäher sein als man es sich vielleicht eingestehen will.

City of Angels versammelt ein solidess Ensemble, das zudem mit einigen bekannten Namen aufwartet, darunter Kerry Bishé (Argo, Halt and Catch Fire) als Sister Molly, Nathan Lane (The Birdcage, The Producers [2005]) als Lewis Michener, Michael Gladis (Mad Men) als Charlton Townsend und die Oscar-nominierte Adriana Barraza (Babel) als Maria Vega. In weiteren Parts agieren außerdem Brent Spiner (Star Trek: The Next Generation) als unnachgiebiger Polizeichef Vanderbilt, Piper Perabo (Prestige, Looper) als Linda Craft und Thomas Kretschmann (Der Untergang) als Richard Goss. Rory Kinnear, der in Penny Dreadful die überaus vielschichtige Rolle der Kreatur Frankensteins verkörperte, gibt hier den unglücklichen deutschen Kinderarzt Peter Craft, der eigentlich seinem gewalttätigen Erbe zu entkommen versucht. Neben Barrazas Maria Vega und Daniel Zovatto als Polizei-Rookie Tiago Vega für mich die wichtigste Figur der Serie.

John Logan, der die Skripts zu sechs von zehn Folgen selbst verfasste, hat City of Angels auf mehrere Seasons ausgelegt. Eine zweite Staffel wurde bisher nicht bestellt, was aber den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Film- und Fernsehindustrie geschuldet sein mag. Für weitere Episoden wäre es wünschenswert das Nebeneinander von Horror und Sozialdrama organischer zu gestalten.

Die komplette erste Staffel von Penny Dreadful: City of Angels ist seit dem 10. August 2020 im Angebot von Sky Go und Sky Ticket verfügbar.

Fazit: Als kompromissloses Sozialdrama über eine gespaltene US-Metropole am Vorabend des Zweiten Weltkrieges vermag City of Angels über weite Strecken durchaus zu überzeugen. Der “Horror-Faktor” wirkt allerdings zu bemüht und sorgt für eine insgesamt etwas unrunde Erzählung. 7 von 10 Punkten.

 


Marius Joa, 20. August 2020. Bilder: Showtime/Sky.

 

 

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