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Viel Spaß!
Von Marius Joa. Publiziert am 26. November 2022

Ein superedles, abgelegenes Restaurant, ein berühmter Starkoch und eine illustre Gruppe von Gästen. Das und mehr bilden die Zutaten von “The Menu”, dem Kinodebüt von Serien-Spezialist Mark Mylod (“Game of Thrones”, “Succession”).

 

Der Prinz von Jütland

Von Marius Joa. Publiziert am 18. Mai 2022

Lange bevor William Shakespeare seine weltbekannte Tragödie Hamlet schrieb gab es den Stoff bereits als Sage. Gabriel Axel adaptierte diese in seinem prominent besetzten Historienfilm Der Prinz von Jütland aus dem Jahre 1994.


Der Prinz von Jütland (The Prince of Jutland)
Historiendrama Dänemark, Frankreich, Deutschland, Niederlande, UK 1994. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. 103 Minuten (PAL-DVD). Kinostart: 13. März 1996.
Mit: Christian Bale, Gabriel Byrne, Helen Mirren, Kate Beckinsale, Ewen Bremner, Brian Cox, Tony Haygarth, Andy Serkis, Steven Waddington, Saskia Wickham, Tom Wilkinson, Mark Williams u.a. Drehbuch: Gabriel Axel und Erik Kjeersgard. Regie: Gabriel Axel.

 

 


Die Rache des Amled

Jütland, im heutigen Dänemark. König Hardvendel (Tom Wilkinson) regiert über das Land. Doch sein Bruder, der machthungrige Fenge (Gabriel Byrne), entschließt sich zu einem folgenschweren Tat. Gemeinsam mit einigen Gefolgsleuten wie Ribold (Steven Waddington), Torsten (Andy Serkis) und Ragnar (Tony Haygarth) ermordet er Hardvendel und macht zwei Unschuldige für die Tat verantwortlich. Hardvendels Sohn, der junge Amled (Christian Bale), hat den Mord an seinem Vater mit angesehen und scheint deswegen wahnsinnig geworden zu sein. Fenge lässt sich zum König krönen und heiratet seine Schwägerin Geruth (Helen Mirren), Amleds Mutter. Fenges Zweifel am Geisteszustand seines Neffen sind berechtigt. Denn heimlich plant Amled seinen Vater zu rächen…

Die Sage des Prinzen Amelth oder Amled (altisländisch: Amlóði) und seiner Rache für den Mord an seinem Vater, der von dessen eigenem Bruder getötet wurde, fand in Schriften des 12. und 13. Jahrhunderts Erwähnung. Die bekannteste Quelle ist Gesta Danorum (zu deutsch: Die Taten der Dänen), ein Sammlung dänischer Geschichte des Chronisten Saxo Grammaticus (lebte vermutlich etwa 1150 bis 1220). William Shakespeare (1564-1616), der vielleicht einflussreichste Dramatiker aller Zeiten, wurde von der Sage zu seiner Tragödie Hamlet (The Tragedy of Hamlet, Prince of Denmark; ca. 1600) inspiriert. Der dänische Filmemacher Gabriel Axel (1918-2014), dessen Film Babettes Fest (1987) 1988 den Auslandsoscar gewonnen hatte, adaptierte Amleds Geschichte in den 1990ern mit Der Prinz von Jütland, gut 25 Jahre bevor Robert Eggers seine kürzlich in die Kinos gekommene brachial-authentischen Version des Stoffes, nämlich The Northman, drehte.

Abgesehen von der gleichen Vorlage könnten beide Adaptionen aber kaum unterschiedlicher sein. Wo Eggers ein gleichzeitig authentisches und sich an der Schnittstelle zwischen Realismus und Magie/Mythologie bewegendes, brutales Wikinger-Rache-Epos inszenierte, so erscheint die Version von Axel in jeglicher Hinsicht unspektakulär. Das Setting gestaltet sich überaus naturalistisch. Die Charaktere tragen einfache Gewänder, der König lebt mit seiner Familie und den Gefolgsleuten nicht etwa in einer Burg, sondern in einem größeren Bauernhof. Die Zahl der Untertanen dürfte nur bei wenigen Hundert liegen. Das klingt erst einmal mickrig, erscheint aber für die Zeit des späten Mittelalters nicht unrealistisch. Obwohl sich die Handlung vor allem dann wenig spannend gestaltet wenn man die grobe Story kennt so hat der Prinz von Jütland durchaus noch die ein oder andere Wendung parat. Es geht mitunter einigermaßen brutal zu und bisweilen auch spannend, große Schlachtszenen waren sicher nicht im Budget drin, aber auch nicht notwendig.

Der “main selling point” des Films dürfte ohnehin die Besetzung sein. Bei der Premiere der europäischen Ko-Produktion vor 28 Jahren waren die meisten der Schauspieler noch sehr unbekannt. Das hat sich allerdings geändert. Christian Bale, seither unter anderem als dunkler Ritter in Christopher Nolans Dark Knight-Trilogie berühmt, spielt hier als 19jähriger den Protagonisten Amled. Als seine Mutter ist die spätere Oscar-Gewinnerin Helen Mirren (2007 für Die Queen) zu sehen, deren Rolle fast ein wenig zu kurz kommt. Den bösen Onkel gibt Gabriel Byrne (Die üblichen Verdächtigen, In Treatment), der 13 Jahre zuvor genau wie Kollegin Mirren im Fantasyklassiker Excalibur zu sehen war. Kate Beckinsale (Underworld) spielte ein Jahr nach ihrer ersten großen Rolle in Kenneth Branaghs Shakespeare-Adaption Viel Lärm um Nichts hier einen eher kleinen Part. Der vor allem als Motion-Capture-Darsteller aus der Herr der Ringe-Trilogie und den neuen Planet der Affen-Filmen bekannte Andy Serkis gibt hier sein Kinodebüt. Außerdem mit dabei: Brian Cox (Braveheart, Troja), Tom Wilkinson (Shakespeare in Love, Michael Clayton) und Mark Williams (Arthur Weasley aus den Harry Potter-Filmen). Insgesamt ein solides Ensemble.

Der Prinz von Jütland ist auf DVD und BluRay (letzteres nur als Teil der Wikinger-Box von Spirit Media unter dem Alternativtitel Thrones & Empires) erhältlich sowie als kostenpflichter Stream im Angebot von Apple TV, Google Play, Microsoft und Youtube.

Fazit: Unspektakuläre, naturalistische Adaption der Sage von Amled mit aus heutiger Sicht überaus prominenter Besetzung. 6 von 10 Punkten.


Amled scheint geisteskrank
 

Fenge und seine Mitverschwörer
 

Königin Geruth

 


Marius Joa, 18. Mai 2022. Bilder: Spirit Media.

 

 

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