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Viel Spaß!
Von Marius Joa. Publiziert am 8. September 2019

Ed Wood (1924-1978) gilt gemeinhin als der schlechteste Regisseur aller Zeiten. Vor 60 Jahren erschien sein “Opus Magnum”: der Alien-Horror-Streifen “Plan 9 from Outer Space”…

 

Anonymus

Von Marius Joa. Publiziert am 18. November 2011

Die Frage, wer die Werke Shakespeares wirklich geschrieben hat, beschäftigt die Gelehrten schon seit längerer Zeit. Ausgerechnet Katastrophenfilm-Guru Roland Emmerich widmet sich diesem Thema in seinem neuen Film Anonymus.

 

Anonymus (Anonymous)
Historiendrama Deutschland/UK 2011. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. 130 Minuten. Kinostart: 10. November 2011.
Mit: Rhys Ifans, Vanessa Redgrave, Joely Richardson, Jamie Campbell Bower, Rafe Spall, David Thewlis, Edward Hogg, Sebastian Armesto, Xavier Samuel u.v.a. Regie: Roland Emmerich. Drehbuch: John Orloff.

 

Wer war Shakespeare?

Eigentlich kennt man den aus dem schwäbischen Sindelfingen stammenden deutschen Hollywood-Export Roland Emmerich (The Day After Tomorrow, 2012) als Regisseur von diversen Katastrophenfilmen mit reichlich Zerstörungspotenzial. Wer hätte da gedacht, dass er sich plötzlich die hohe Literatur als Thema seines neuesten Streifens aussucht.

England zur Zeit der Herrschaft von Königin Elizabeth I. Nach dem Tod der Eltern wird der junge Edward de Vere (Jamie Campbell Bower) in die Familie des obersten Staatssekretärs Lord William Cecil (David Thewlis) aufgenommen, um dort auf seine Verpflichtungen als Graf von Oxford vorbereitet zu werden. Während die Cecils ihn zum perfekt gebildeten und pflichtbewussten Adeligen erziehen wollen, fühlt sich Edward aber mehr zur Dichtung und Schriftstellerei hingezogen. Diese Neigungen werden ihm jedoch strengstens untersagt. Und so sucht sich Edward später als Graf von Oxford (Rhys Ifans) andere Wege, seine Theaterstücke und Gedichte unters Volk zu bringen…

 Oxford schreibt heimlich

Seit längerem sind sich viele Experten einig, dass die Werke Shakespeares nicht von dem aus einfachen Verhältnissen stammendem Mann aus der kleinen Stadt Stratford-upon-Avon geschrieben worden sein können, sondern der Name „William Shakespeare“ vielmehr als Pseudonym für einen anderen Autor steht. Zu den am häufigsten genannten Kandidaten zählt seit den 1920er Jahren auch Edward de Vere, der 17. Graf von Oxford (1550-1604), Günstling am Hofe von Königin Elizabeth. Für Oxford sprechen vor allem die von ihm genossene Bildung und seine Reisen durch Europa.

Regisseur Emmerich und Drehbuchautor John Orloff (Band Of Brothers) – letzterer hatte das Skript bereits in den 1990ern geschrieben – nutzen ihren Film nicht nur, um dem Publikum einen bisher unbekannten Dramatiker näher zu bringen, sondern beleuchten dabei auch vor allem die späten Regierungsjahre von Königin Elizabeth I. Im Streit um die Nachfolge der Monarchin, die keinen legitimen Erben hat, nutzt der Graf von Oxford das Theater, um das Volk gegen seinen Schwiegervater William Cecil und seinen Schwager Robert Cecil aufzubringen, die ihre durch die Königin legitimierte Macht schamlos ausnutzen.

Auf der Basis geschichtlicher Erkenntnisse und Theorien liefert Anonymus eine plausible, wenn auch spekulative Story des Mannes, der den Namen „William Shakespeare“ zum meistgespielten Dramatiker der Welt gemacht hat. Shakespeare selbst ist hier nur ein vom Publikum geliebter Schauspieler, der die Gunst der Stunde nutzt und sich als Autor der Stücke inszeniert, ohne dass er jedoch schreiben kann.

Leider macht es Anonymus dem Zuschauer vor allem am Anfang beileibe nicht einfach, da der Film immer wieder zwischen mehreren Zeitebenen hin und her springt und sich der rote Faden erst im Laufe der Zeit ergibt. Man sollte also gut aufpassen, um der verschachtelten Story folgen zu können. Rein inhaltlich hätte man hier und da noch ein wenig tiefer gehen können, um somit mehr Hintergrundwissen zu vermitteln. Der große Wurf ist Emmerich mit seiner Genre-Kehrtwende also nicht ganz gelungen.

Die interessante Thematik, die bisweilen surrealen Bilder des in den Babelsberger Studios auch mithilfe von CGI erschaffenen London des 15. bzw. 16. Jahrhunderts und die erlesenen Schauspieler um den wandlungsfähigen Rhys Ifans (Notting Hill, Harry Potter 7.1) als Oxford sorgen für ein gelungenes (Literatur-)Geschichtsdrama. Die Rolle der Königin Elizabeth teilen sich übrigens Vanessa Redgrave (Abbitte) und ihre Tochter Joely Richardson (Die Tudors).

Fazit: Bisweilen etwas verschachtelte, aber insgesamt gelungene Shakespeare-Version, die inhaltlich ein wenig Luft nach oben hat. 7 von 10 Punkten.

 

 
Elizabeth und der junge Oxford
Die Königin im hohen Alter

 

 

Marius Joa, 18. November 2011. Bilder: Columbia Pictures.

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