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Viel Spaß!
Von Marius Joa. Publiziert am 22. Januar 2023

Die abrupte, einseitige Kündigung einer Freundschaft auf der titelgebenden Insel, davon handelt Regisseur Martin McDonaghs (“Brügge sehen…und sterben?”, “Three Billboards Outside Ebbing, Missouri”) neuester Film, “The Banshees of Inisherin”.

 

Guillermo del Toro’s Cabinet of Curiosities: Folgen 1 bis 4

Von Marius Joa. Publiziert am 31. Oktober 2022

Pünktlich zum Ende des Horrormonats Oktober hat Netflix eine Horror-Anthologie-Serie veröffentlicht, in welchem Filmemacher Guillermo del Toro acht Stories präsentiert, die von unterschiedlichen Filmschaffenden umgesetzt wurden. Ein Review zu den ersten vier Episoden folgt nun als Schlusspunkt meines Horroctobers 2022.


Guillermo del Toro’s Cabinet of Curiosities
Horror-Serie USA, Mexiko 2022. Idee und Moderation: Guillermo del Toro.

 

 


Kabinett des Schreckens

Guillermo del Toro (geboren 1964) gehört zu den spannendesten Genre-Filmemachern der letzten Jahre. In seine Werken mischt der Mexikaner meist Horror mit Fantasy und illustriert dabei die Psyche seiner Figuren mit phantastischen Elementen. Nach kleineren Horror-Streifen in seiner Heimat wurde del Toro durch die Comicverfilmungen Blade II (2002) und Hellboy (2004) international bekannt. Sein Fantasy-Kriegsdrama Pans Labyrinth (2006) gewann drei Oscars, die märchenhaften Liebesgeschichte Shape of Water (2017) sogar vier, unter anderem als bester Film und für die Regie. Daneben adaptierte der 58jährige auch die gemeinsam mit Chuck Hogan geschriebene Romanreihe The Strain als TV-Serie und fungierte als Co-Autor der Hobbit-Filmtrilogie von Peter Jackson, nachdem er lange Zeit als erster Kandidat für den Regie-Posten vorgesehen war. Dass er auch gothischen Grusel beherrscht bewies del Toro mit Crimson Peak, den ich vor drei Jahren im Rahmen des Horroctobers sichtete.

Auf seinen positiv von der Kritik aufgenommenen, aber an der Kinokasse geflopptem Neo-Noir-Psychothriller Nightmare Alley (2021) folgte die vorliegende Anthologie-Serie Guillermo del Toro’s Cabinet of Curiosities, welche mit jeweils zwei Folgen pro Tag vom 25. bis 28. Oktober 2022, passend zur Jahreszeit, auf Netflix veröffentlicht wurde. Das Konzept basiert auf dem gleichnamigen Buch del Toros (mit dem Untertitel My Notebooks, Collections and Other Obsession), welches Ende Oktober 2013 erschien. Der Meister selbst ist hier “nur” als ausführender Produzent tätig und schrieb die Vorlagen zu zwei der acht Folgen. Außerdem präsentiert del Toro zu Beginn jeweils eine kurze Einführung, ähnlich wie man es von anderen Genre-Anthologie-Formaten wie Twilight Zone oder X-Factor kennt. Geschrieben und inszeniert wurden die einzelnen Stories von unterschiedlichen Filmemachern.

Vorab noch eine Warnung: auch wenn Cabinet of Curiosities bei Netflix die Alterskennzeichnung “16” hat, so sind einige der hier gezeigten Szenen definitiv nichts für zarte Gemüter.

Zu den ersten vier Folgen:

Lot 36
46 Minuten. Mit: Tim Blake Nelson, Sebastian Roché, Demetrius Grosse, Elpidia Carrillo u.a. Nach einer Story von Guillermo del Toro. Drehbuch: Regina Corrado. Regie: Guillermo Navarro.
1991. Der miesgelaunte Veteran Nick (Tim Blake Nelson) schuldet den falschen Leuten Geld und versucht dieses so schnell wie möglich aufzutreiben. Bei Lagerhausbetreiber Eddie (Demetrius Grosse) ersteigert er den Inhalt eines abgelaufenen Lagerraumes, der einst einem berüchtigen alten Mann gehörte, in der Hoffnung dort etwas Wertvolles zu finden. Nick entdeckt einen Séance-Tisch, in welchem sich drei mysteriöse Bücher befinden. Antiquitätenhändler und Okkultismus-Experte Roland (Sebastian Roché) bietet Nick eine sechsstellige Summe für das komplette Set von vier Büchern. Gemeinsam machen sie sich im Lagerraum auf die Suche nach dem vierten Band und stoßen auf Ungeheuerliches…
Von der Prämisse und der Inszenierung gestaltet sich Lot 36 von Guillermo Navarro, regelmäßig Kameramann bei del Toros Filmen, durchaus interessant. Auch die Figurendynamik zwischen dem skeptischen Nick, gespielt von Tim Blake Nelson (Watchmen [Serie]), und dem von Sebastian Roché (Supernatural, The Man in the High Castle) mit schrulligem teutonischen Einschlag verkörperten Roland, der an das Übernatürliche glaubt, erweist sich als Pluspunkt. Insgesamt erschien mir die Folge aber zu sehr ausgetretene Genre-Pfade zu betreten.

Graveyard Rats
38 Minuten. Mit: David Hewlett, Julian Richings, Nabeel El Khafif u.a. Nach einer Kurzgeschichte von Henry Kuttner. Drehbuch und Regie: Vincenzo Natali.
Salem, Massachusetts, in den 1930er Jahren. Masson (David Hewlett) gibt sich nach Außen hin als respektabler Friedhofswärter, doch in Wahrheit plündert er die Gräber der Reichen und stiehlt sämtliche Wertgegenstände der Toten. Als ein gut betuchter Kaufmann bestattet wird wittert Masson seine große Chance, mal so richtig abzusahnen. Doch hat er nicht mit der schieren Intensität der Rattenplage gerechnet…
Basierend auf der gleichnamigen, 1936 veröffentlichten Kurzgeschichte des amerikanischen Autors Henry Kuttner (1913-1958) schrieb und inszenierte Kanadas bekannter Genre-Veteran Vincenzo Natali (
Cube, Cypher) die zweite Folge. David Hewlett (bekannt aus Stargate Atlantis), der immer in Natalis Filmen mitspielt und auch in den letzten beiden Streifen del Toros zu sehen war, gibt hier den scheinheiligen”Grabhüter”, dessen gewählte Sprache im krassen Gegensatz zu seinen Absichten und seinem Erscheinungsbild steht. Seine Jagd nach den Schätzen des jüngst verschiedenen Kaufmannes wird zum nicht nur rattenverseuchten Horror-Trip, welcher nur allzu konsequent und drastisch umgesetzt wird. Mit 38 Minuten Laufzeit ist Graveyard Rats der kürzeste Beitrag der Reihe.

The Autopsy
58 Minuten. Mit: F. Murray Abraham, Glynn Turman, Luke Roberts u.a. Nach einer Kurzgeschichte von Michael Shea. Drehbuch: David S. Goyer. Regie: David Prior.
In einer Mine in Pennsylvania kommt es bei der Jagd auf den Mordverdächtigen Joe Allen (Luke Roberts), der eine geheimnisvolle Sphäre mit sich führt, zu einer Explosion. Allen und neun weitere Arbeiter sterben. Sheriff Nate Craven (Glynn Turman) bittet seinen alten Freund, den Gerichtsmediziner Dr. Carl Winters (F. Murray Abraham), die Toten zu obduzieren. Dabei macht Winters eine bemerkenswerte und schaurige Entdeckung…
Akte X und Men in Black lässen grüßen, bei dieser Episode, nach einer Short Story von Michael Shea (1948-2014) und einem Drehbuch von David S. Goyer (Batman Begins). Denn die angesprochene Sphäre kommt aus dem All und Aliens spielen freilich eine zentrale Rolle. Doch viel eindringlicher sind die überbordenden Creature-und Gore-Effekte, die man hier auf dem Obduktionstisch serviert bekommt während Mensch und Außerirdischer ein angeregtes Gespräch führen. 

The Outside
64 Minuten. Mit: Kate Micucci, Martin Starr, Dan Stevens u.a. Nach einem Webcomic von Emily Carroll. Drehbuch: Haley Z. Boston. Regie: Ana Lily Amirpour.
Stacey (Kate Micucci) ist eine schüchterne und sozial unbeholfene junge Frau, die mit ihrem Ehemann, dem Polizisten Keith (Martin Starr) zusammenlebt und in ihrer Freizeit gerne tote Tiere präpariert. Um bei ihren Arbeitskolleginnen in der Bank beliebter zu werden kauft sich Stacey Alo Glo, eine Lotion, die gemäß der Fernsehwerbung wunderschön machen soll. Doch das kosmetische Produkt löst eine allergische Reaktion aus. Doch wie der Mann aus der Alo Glo-Werbung (Dan Stevens) weiß ist das nur der erste Schritt zum neuen perfekten Äußeren…
Auch wenn mir nicht alle ihrer bisherigen Filme komplett gefallen haben so zählt Ana Lily Amirpour (A Girl Walks Home Alone at Night, The Bad Batch, Mona Lisa and the Blood Moon) für mich zu den interessanteren Filmschaffenden der letzten Jahre. Umso schöner, dass die iranischstämmige Amerikanerin auch beim vorliegenden Projekt mitgemacht hat. Die von ihr inszenierte Folge The Outside, zu deutsch “das Äußere”, basiert auf dem Webcomic Some Other Animal’s Meat von Emily Carroll und erinnert vom Thema her natürlich an den koreanischen Anime Beauty Water. Ein Kosmetik-Produkt, welches Schönheit, Beliebtheit, eine neues Leben sowie Erfolg verspricht, allerdings seinen nicht nur monetären Preis hat, steht im Zentrum dieses schrägen Beauty-Horrors, der wesentlich weniger drastisch als der genannte Anime daherkommt und sich aus meiner Sicht als die stärkste der ersten vier Folgen entpuppt. Ein zeitloses Setting in der amerikanischen Provinz zur Weihnachtszeit, oberflächliche Tussis, ein von Dan Stevens (Legion) genüsslich gespielter platinblonder Werbe-Moderator, der mit merkwürdigem Akzent spricht, und eine Lotion mit Eigenleben. Es stimmt hier aus meiner Sicht im Grunde fast alles. Den Höhepunkt bilden allerdings das präzise Make Up und die tolle Performance von Hauptdarstellerin Kate Micucci (eine Hälfte des Musik-Comedy-Duos Garfunkel & Oates), die man sonst in der Rolle der niedlichen, aber hübschen jungen Frau (etwa in Scrubs, The Big Bang Theory) kennt. Für mich der ich seit vier Jahrzehnten mit einer dauerpräsenten Hautkrankheit lebt, jedenfalls eine herausragende Episode.

Alle acht Folgen von Guillermo del Toro’s Cabinet of Curiosities sind seit 28. Oktober 2022 Teil des Angebots von Netflix. Eine Kritik zu den Folgen 5 bis 8 folgt noch.

Marius Joa, 31. Oktober 2022. Bilder: Netflix.
 

 

 

 

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