Seine beiden letzten Filme, Im Westen Nichts Neues und Konklave, wurden vielfach ausgezeichnet. Seit Oktober liegt das neue Werk von Regisseur Edward Berger vor. In Ballad of a Small Player gibt Colin Farrell einen spielsüchtigen Lebemann.
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Ballad of a Small Player
Drama UK, Deutschland 2025. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. 102 Minuten. Kinostart: 16. Oktober 2025.
Mit: Colin Farrell, Fala Chen, Deanie Ip, Tilda Swinton, Alex Jennings u.a. Nach dem Roman von Lawrence Osborne. Drehbuch: Rowan Joffé, Regie: Edward Berger.

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Von falschen Lords und hungrigen Geistern
In Macau steht dem notorischen Glücksspieler Reilly alias Lord Doyle (Colin Farrell) mal wieder das Wasser fast bis zum Hals. Er hat nur drei Tage Zeit, seine offene Hotelrechnung zu bezahlen. Außerdem ist ihm eine Privatermittlerin (Tilda Swinton) auf den Fersen, die ebenfalls eine hohe Summe von ihm fordert. Im Rainbow-Casino trifft Reilly auf Kredit-Brokerin Dao Ming (Fala Chen) und möchte sie zu einem gemeinsamen Deal überreden. Am nächsten Tag ist sie verschwunden, Reillys Schulden allerdings nicht…
Nachdem er unter anderem Episoden der deutschen Spionageserie Deutschland 83 (2015) inszeniert hatte nahm die internationale Karriere des in Deutschland geborenen österreichisch-schweizerischen Regisseurs Edward Berger (geboren 1970) in aktuellen Jahrzehnt so richtig Fahrt auf. Sowohl seine Neuverfilmung des Romans Im Westen Nichts Neues von Erich-Maria Remarque von 2022 (drei Oscars) als auch Konklave (2024), die Adaption des gleichnamigen Buches von Robert Harris (Oscar für das beste adaptierte Drehbuch), wurden gefeiert und vielfach preisgekrönt.

Auch bei der neuen Regie-Arbeit Bergers handelt es sich um eine Literaturverfilmung. Nach dem bisher nicht auf Deutsch veröffentlichten Roman The Ballad of a Small Player vom britischen Autor Lawrence Osborne entstand für Netflix ein Trip in die schillernde und abgründige Glücksspiel-Metropole Macau, einer ehemaligen portugiesischen Kolonie mit Sonderstatus in der Volksrepublik China. Dort fanden im Sommer 2024 die Dreharbeiten statt. Ehrlich gesagt habe ich mir die britisch-deutsche Co-Produktion hauptsächlich wegen des Mitwirkens meiner Lieblingsschauspielerin Tilda Swinton angesehen. Obwohl sich das Kritiker-Echo seit Veröffentlichung recht durchwachsen gestaltet.
Der Film aber eindeutig den von Colin Farrell (The Banshees of Inisherin) verkörperten titelgebenden „kleinen“ Spieler in den Mittelpunkt. Seine Odyssee bzw. Flucht durch die glamourösen Hotels und Casinos Macau sowie ins benachbarte Hongkong steht im Mittelpunkt des von Roman Joffé (Ich.Darf.Nicht.Schlafen) verfassten Drehbuchs. Berger und sein Kameramann James Friend (Im Westen Nichts Neues) zelebrieren die wahlweise „Monte Carlo des Ostens“ oder „Las Vegas des Ostens“ Stadt Macau als überaus schillernde und überlebensgroße Metropole voller Glamour, Luxus und bunter Lichter. Die Kamera zelebriert den glückspielerischen Exzess zudem in einer ästhetischen Üppigkeit, wie man es sonst fast nur aus dem Kino von Baz Luhrmann (Moulin Rouge, Elvis) kennt, auch durch den treibenden Score von Volker Bertelmann.
Und Colin Farrell, der selbst schon mit Suchtproblemen zu kämpfen hatte, gibt für seine Performance als spielsüchtiger Hochstapler, dessen schicke Anzüge und edle aussehende Handschuhe nur als Fassade dienen, alles. Auch wenn des dem Film kaum gelingt, emotional zu packen, am 49jährigen irischen Star-Schauspieler liegt es definitiv nicht. Mit Fala Chen (Godzilla x Kong: The New Empire), Deanie Ip (Master of Shaolin), Alex Jennings (The Crown) und Tilda Swinton, deren Figur wie im Review bei Filmstarts.de festgestellt wirkt, als hätte sie sich aus einem Film von Wes Anderson hierher verlaufen, wird zudem auch für die wichtigsten weiteren Rollen ein solides Ensemble aufgeboten.
Die Geschichte scheint durchaus solide und stimmig aufgezogen, zum wirklich mitreißenden Kinoerlebnis reicht es allerdings nicht ganz Dafür lohnt es sich, den Abspann zu überspringen, um in den Genuss einer kuriosen Midcredit-Szene zu kommen.
Ballad of a Small Player ist seit dem 29. Oktober 2025 Teil des Angebots von Netflix.
Fazit: Ästhetisch süffiges, intensives Glücksspiel-Drama mit einem stark aufspielenden Colin Farrell, leider nicht wirklich packend. 7 von 10 Punkten.
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Marius Joa, 30. Dezember 2025. Bilder: Netflix.


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