Rückkehr nach Ithaka

Der Kinostart von Christopher Nolans Blockbuster-Verfilmung von Die Odyssee steht unmittelbar bevor. Uberto Pasolini konzentriert sich in seiner Adaption Rückkehr nach Ithaka auf die schwierige Heimkehr des Odysseus, gespielt von Ralph Fiennes.

Rückkehr nach Ithaka (The Return)
Historiendrama Italien, Griechenland, UK, Frankreich 2024. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. 116 Minuten. Kinostart: 27. November 2025.
Mit: Ralph Fiennes, Juliette Binoche, Charlie Plummer, Claudio Santamaria, Angela Molina, Marwan Kenzari, Jamie Andrew Cutler, Tom Rhys Harries, Chris Corrigan u.v.a. Nach Homer. Drehbuch: John Collee, Edward Bond, Uberto Pasolini. Regie: Uberto Pasolini.



„So much blood. So many years.“

Nach zehn Jahren verlustreichem Krieg gelang es den Griechen die Stadt Troja zu erobern. Seitdem sind zehn weitere Jahre vergangen, doch Odysseus (Ralph Fiennes), König von Ithaka, ist immer noch nicht in seine Heimat zurückgekehrt. Das kleine Inselreich leidet seit einigen Jahren unter ruchlosen Männern wie Antinoos (Marwan Kenzari), Eurymachos (Jamie Andrew Cutler) und Pisander (Tom Rhys Harries), welche den Palast belagern und das Land plündern während sie darauf hoffen, dass Königin Penelope (Juliette Binoche), Odysseus’ Gattin, sich einen von ihnen zum neuen Ehemann erwählt. Odysseus’ mittlerweile erwachsener Sohn Telemachos (Charlie Plummer) hält seinen Vater, den er nie gekannt hat, für tot und fordert seine Mutter auf, eine Wahl unter den Freiern zu treffen. Währenddessen wird Odysseus nackt an den Strand von Ithaka gespült, wo er vom Schweinehirten Eumaios (Claudio Santamaria) gefunden und aufgenommen wird… 

In seinem vierten Film als Regisseur verarbeitet der ansonsten überwiegend als Produzent (Ganz oder gar nicht (1997), Bel Ami (2012), tätige Uberto Pasolini (geboren 1957) das letzte Drittel des Versepos von Homer und setzt damit einen ähnlichen Schwerpunkt wie die Arte-Serie Odysseus (2013). Doch während in der französisch-italienisch-portugiesischen TV-Produktion die ernste Grundstimmung durch reißerische Wendungen teils untergraben wird so überzeugt Rückkehr nach Ithaka als konsequent düstere Parabel über die verheerenden Folgen des Krieges und setzt sich dabei ziemlich klar von den bekannten Verfilmungen der Vorlage (Die Fahrten des Odysseus [1954], Die Odyssee [1968] sowie Die Abenteuer des Odysseus [1997]) ab.

Odysseus ist zurück

Pasolini und seine beiden Co-Autoren John Collee (Master and Commander) und Edward Bond (1934-2024; Walkabout) reduzieren ihre Geschichte auf das Wesentliche, verzichten dabei völlig auf pathetisches Heldentum oder poetische Überhöhung. Der Krieg um Troja ist eigentlich weit weg von Ithaka passiert und doch bis in das idyllisch wirkende Inselreich vorgedrungen. Viele Männer sind im Kampf gefallen und die Menschen leiden Not, auch durch die Abwesenheit ihres Königs. Denn in und um den Palast haben sich Freier eingenistet, welche nicht nur das Hab und Gut der Königsfamilie verprassen, sondern auch plündernd und mordend durch die Gegend ziehen. Königin Penelope und ihr Sohn Telemachos pendeln daher zwischen Wut und Verzweiflung.

In dieser trostlosen Situation kehrt Odysseus heim. Nackt wird er an den Strand gespült, nach zehn Jahren Krieg und weiteren zehn Jahren der Irrfahrt auf dem Meer. Ausgemergelt und von den Mühen der letzten zwei Jahrzehnte schwer gezeichnet findet der König von Ithaka als unbekannter Bettler bei seinem treuen Hirten Eumaios Unterschlupf. Die Bedrohung durch die skrupellosen Freier wird sich nicht ohne Gewalt lösen lassen. Doch Odysseus ist stark traumatisiert von den Schrecken des Krieges und der langen Heimreise. Aufgrund der langen Abwesenheit und seines verhärmten Aussehens erscheint es daher völlig logisch, dass der zurückgekehrte König nicht erkannt wird. Auch ohne, dass die Götter hier ihre magischen Finger im Spiel haben.

Pasolinis Film bleibt bis zum Ende überaus konsequent. Große Heldentaten werden hier nur am Rande erwähnt. Die wichtigsten Elemente des letzten Drittels des Homerischen Epos sind vorhanden, aber ansonsten geht The Return (so der Originaltitel) seinen eigenen, kompromisslosen Weg. Dazu liefert die Kamera von Marius Panduru (Erwarte nicht zu viel vom Ende der Welt) tolle Bilder von der rauen Schönheit der Locations in Griechenland (Korfu und Peloponnes) und Norditalien sowie den eher spärlichen Kulissen.

Ralph Fiennes und Juliette Binoche standen hier nach Wuthering Heights – Stürmische Leidenschaft (1992) und Der englische Patient (1996) bereits zum dritten Mal gemeinsam vor der Kamera und liefern beide starke Performances. Vor allem Fiennes mit großem Körpereinsatz als alter, schwer gezeichneter Kriegsheimkehrer Odysseus, gleichzeitig ausgemergelt und muskulös, während Binoche die Zerrissenheit von Penelope ausdrucksstark vermittelt. Nach dem langen Schatten des Krieges kann es für die beiden zentralen Figuren und ihre Heimat Hoffnung auf Frieden geben. Und für mich als erfahrenen Konsumenten von unterschiedlichen Adaptionen des Stoffes wird diese gänzlich andere, in ihrer Interpretation absolut legitime und überaus stimmige Version ebenso in Erinnerung bleiben wie die positiver gestalteten Vorgänger.

Rückkehr nach Ithaka ist seit 7. Mai 2026 auf DVD sowie als kostenpflichtiger Stream bei diversen Anbietern erhältlich.

Fazit: Uberto Pasolinis Rückkehr nach Ithaka macht aus der Heimkehr des Odysseus ein eindringliches, kompromissloses Antikriegsdrama ohne poetische Verklärung.

Penelope versucht, Zeit zu gewinnen
Telemachos ist verzweifelt
Die Freier



Marius Joa, 14. Juli 2026. Bilder: Piffl Medien.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner