Auch die zweite Fernsehverfilmung der Odyssee entstand als aufwändige Miniserie. In Die Abenteuer des Odysseus (1997) von Regisseur Andrei Konchalovsky spielen Armand Assante als Odysseus und Greta Scacchi als Penelope die beiden zentralen Hauptrollen.
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Die Abenteuer des Odysseus (The Odyssey)
TV- Historienabenteuer/Miniserie USA, UK, Deutschland, Italien, Türkei 1997.
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. 2 Folgen. Gesamtlänge: 172 Minuten (PAL-DVD). TV-Erstausstrahlung: 14. November 1997.
Mit: Armand Assante, Greta Scacchi, Geraldine Chaplin, Alan Stenson, Andoni Anastassopoulos, Roger Ashton-Griffiths, Ron Cook, Alan Cox, William Houston, Vincenzo Nicoli, Irene Papas, Bernadette Peters, Eric Roberts, Isabella Rossellini, Michael Tezcan, Tony Vogel, Vanessa Williams u.v.a. Nach Homer. Drehbuch: Andrei Konchalovsky & Chris Solimine. Regie: Andrei Konchalovsky.

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Homers Epos als Event-Zweiteiler
Odysseus (Armand Assante), König von Ithaka, ist überglücklich als seine geliebte Ehefrau Penelope (Greta Scacchi) den Sohn Telemachos zur Welt bringt. Doch wenig später muss Odysseus Abschied von seinem jungen Familienglück nehmen, denn die Fürsten Griechenlands ziehen gegen die Stadt Troja in den Krieg. Durch eine List des Königs von Ithaka kann Troja nach zehn Jahren verlustreicher Belagerung erobert werden. Doch in einem Anfall von Hochmut beleidigt Odysseus die Götter, weshalb seine Heimreise zur Irrfahrt über die Meere wird.
Zuhause in Ithaka warten Penelope, ihre Schwiegermutter Anitkleia (Irene Papas) und ihre Getreuen auf die Rückkehr von Odysseus. Während Telemachos (Alan Stenson) langsam zum Mann heranreift wird der Palast sukzessive von Freiern wie Antinoos (Vincenzo Nicoli) und Eurymachos (Eric Roberts) belagert, die Penelope heiraten und über Ithaka herrschen wollen. Odysseus und seine Männer, darunter Antiklos (William Houston), Polites (Roger Ashton-Griffiths) und Eurybates (Ron Cook), bekommen es auf ihrer abenteuerlichen Reise mit dem Zyklopen Polyphem (Reid Asato), der Zauberin Circe (Bernadette Peters) und weiteren Gefahren zu tun…

Fast dreißig Jahre nach der europäischen Odyssee von 1968 wurde das Homerische Epos erneut fürs Fernsehen verfilmt, als amerikanisch-europäische Co-Produktion von der Produzenten Robert Halmi Sr. (dessen Studio Hallmark Entertainment vor allem in den 1990ern und frühen 2000ern so einige erfolgreiche Fernsehfilme und Miniserien schuf), Francis Ford Coppola (Apocalypse Now, Der Pate) und Nicholas Meyer (Star Trek II, Eine verhängnisvolle Affäre) sowie inszeniert vom russischen Regisseur Andrei Konchalovsky (Runaway Train, Tango & Cash). Gedreht wurde von Oktober 1996 bis Januar 1997 in Malta, der Türkei und anderen Locations im Mittelmeerraum sowie in England, mit einem geschätzten Gesamtbudget von 40 Millionen US-Dollar Nach der US-Erstausstrahlung im Mai 1997 folgte am 14. und 15. November die TV-Premiere in Deutschland bei Pro Sieben.
Die Abenteuer des Odysseus entstand in der Hochzeit der Event-Zweiteiler mit einer Gesamtlaufzeit von etwa drei Stunden wie Gullivers Reisen (1996), Merlin (1998), Arabian Nights (2000) oder Jason und der Kampf um das Goldene Vlies (2000), eine Verfilmung der Argonautensage. Konchalovsky und sein Co-Autor Chris Solimine nahmen sich inhaltlich einige Freiheiten, um den Stoff für das Format zu adaptieren. Vor allem wird die Geschichte von Odysseus, Penelope und Co überaus geradlinig und flott erzählt, wobei der Titelheld auch als Erzähler fungiert. Während manche Stationen der Odyssee fehlen – man lässt die Sirenen komplett weg – oder stark gekürzt wurden montiert man die Erlebnisse des Odysseus auf seiner langen Heimreise und das Los seiner wartenden Familie hier ziemlich gleichberechtigt nebeneinander.
Das Geschehen mag im Vergleich mit der gemächlich-poetischeren europäischen Version aus den 1960ern eher plakativ wirken. Außerdem sind manche der visuellen Effekte nicht so gut gealtert. Insgesamt kann Die Abenteuer des Odysseus knapp drei Jahrzehnte nach der Veröffentlichung aus meiner Sicht immer noch überzeugen. Das liegt vor allem an den malerischen Schauplätzen und der dynamischen Erzählweise. Wie der deutsche Titel verrät (im Original heißt die Miniserie einfach The Odyssee) liegt hier der Fokus eher auf den Abenteuern des Titelhelden.
Neben den soliden Armand Assante (Judge Dredd [1995], American Gangster) als Odysseus und Greta Scacchi (Aus Mangel an Beweisen, Rasputin [1996]) als Penelope versammelt der Zweiteiler weitere bekannte Namen, von denen aber manche recht wenig Screentime haben, z.B. die Leinwandikonen Christopher Lee als Seher Tiresias und Isabella Rossellini als Göttin Athene. Wesentlich mehr Zeit verbringt man dafür mit Odysseus’ Gefährten, gespielt unter anderem von William Houston (Elizabeth: Das Goldene Königreich, Will [Serie]) und Roger Ashton-Griffiths (Merlin, Game of Thrones). Zudem ist Griechenlands Ausnahmeschauspielerin Irene Papas (Penelope in der Odyssee von 1968) als Odysseus’ Mutter Antikleia zu sehen.
Die Abenteuer des Odysseus von Andrei Konchalovsky ist auf DVD erhältlich.
Fazit: Inhaltlich etwas vereinfacht, aber insgesamt kurzweilig-gelungener Odyssee-Zweiteiler.
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Marius Joa, 12. Juli 2026. Bilder: Winkler Film.


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