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Viel Spaß!
Von Marius Joa. Publiziert am 9. August 2020

Wer Btor sagt, muss auch Ator sagen. Oder so ähnlich. Jedenfalls habe ich mich gut drei Jahre nach der Sichtung von “Ator – Der Unbesiegbare” an den Vorgänger herangewagt.

 

The Banquet

Von Marius Joa. Publiziert am 29. März 2020

Im gleichen Jahr wie Der Fluch der Goldenen Blume von Zhang Yimou feierte The Banquet, ein weiterer, opulenter Wuxia-Film aus China, seine Premiere, mit Genre-Ikone Zhang Ziyi (Tiger & Dragon, Hero, House of Flying Daggers) in eine der Hauptrollen…

The Banquet (Ye Yan)
alternativ: Der Ruf des Kaisers / Legend of the Black Scorpion
Martial-Arts-Drama China 2006. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. 125 Minuten (PAL-DVD).
Mit: Zhang Ziyi, Daniel Wu, Ge You, Zhou Xun, Ma Jingwu, Huang Xiaoming u.v.a. Drehbuch: Qiu Gangjian und Sheng Heyu. Regie: Feng Xiaogang.

 


Machtgier, Eifersucht und andere Gifte oder Hamlet in China

Gegen Ende der Tang-Dynastie. Kronprinz Wu Luan (Daniel Wu) wollte eigentlich die junge Wan (Zhang Ziyi) heiraten, denn die beiden kennen und lieben sich schon seit Langem. Als jedoch Wu Luans Vater, der Kaiser, stattdessen Wan ehelicht, verlässt der Prinz den Palast um Trost bei den schönen Künsten zu suchen. Doch dann wird der Kaiser von seinem Bruder Li (Ge You) ermordet. Li besteigt selbst den Thron und nimmt Wan zu seiner Ehefrau. Kurz nachdem Wu Luan durch Boten vom Tod seines Vaters erfährt wird das Theater, in welchem der Prinz spielt, von Attentätern angegriffen. Sämtliche Akteure werden getötet, doch Wu Luan gelingt die Flucht. Schließlich kehrt der Prinz zum Hofe zurück, wo er nicht nur auf seine Stiefmutter, sondern auch deren Hofdame Qing (Zhou Xun), die Tochter des Ministers Yin (Ma Jingwu) und Schwester des Generals Yin Yun (Huang Xiaoming), trifft. Qing ist seit Jahren unglücklich in Wu Luan verliebt. Zur Krönung der Kaiserin wird bei Hofe ein großes Fest veranstaltet, bei welchem Wu Luan mit seiner Theatertruppe ein Stück aufführt, welches seinen Onkel des Brudermords bezichtigt. Kaiser Li schickt seinen Neffen daraufhin als Gesandten zum Volk der Kitanen im Norden. Doch Wu Luan soll nie dort ankommen. Der Konflikt im Kaiserreich kulminiert in einem großen Nachtbankett…

 Wu Luan

Die kürzliche Sichtung von Zhang Yimous neuestem Martial-Arts-Film Shadow erinnerte mich daran, dass die Special-Edition (2 DVDs im Steelbook) von The Banquet schon seit etwa zehn Jahren ungesehen in meinem DVD-Regal vor sich hinschlummert. Das Werk von Regisseur Feng Xiaogang (Heroes of War – Assembly, Empire of War – Der letzte Widerstand) startete Ende August 2006 in den chinesischen Kinos. Nach diversen internationalen Festivals fand The Banquet seinen Weg auch zum Fantasy Filmfest 2007 nach Deutschland und erschien hierzulande im April 2008 auf DVD.

Der Regisseur konnte mit den Oscar-prämierten Tim Yip (Austattung und Kostüme; Tiger & Dragon) und Tan Dun (Filmmusik; Tiger & Dragon, Hero) sowie dem versierten Action-Regisseur Yuen Woo-Ping (Tiger & Dragon, Matrix, Kill Bill) diverse Hochkaräter versammeln. Auch bei den Darstellern sind große Namen vertreten. Allen voran natürlich Zhang Ziyi, die nach ihrem internationalem Durchbruch in Tiger & Dragon in weiteren Wuxia-Epen wie Hero, House of Flying Daggers, The Grandmaster aber auch in den weniger actionreichen Filmen Die Geisha und 2046 maßgeblich mitwirkte. Hier agiert die gleichermaßen in Ballett und Kampfsport versierte Schauspielerin als zwischen widersprüchlichen Gefühlen hin- und hergerissene Kaiserin. Veteran Ge You (Leben!, Lebewohl, meine Konkubine) verkörpert den hinterlistigen Kaiser, der seine Position einem feigenen Brudermord verdankt. Den über weite Strecken eher passiven Prinzen spielt der in den USA geborene und aufgewachsene Hongkong-Actionstar Daniel Wu (New Police Story, Into the Badlands).

Auf dem Papier eigentlich prächtige Voraussetzungen für ein mitreißendes Spektakel, zumal sich das Drehbuch in Sachen Figurenkonstellation von William Shakespeares bekanntem Königsdrama Hamlet (um 1600) inspirieren ließ. Mit dem 180 Meter langen und 60 Meter breiten Set des Kaiserpalastes verfügte The Banquet seinerzeit über die größte jemals in China gebaute Filmkulisse. Was die prunkvollen Dekors und detailreichen Kostüme angeht kann Feng Xiaogangs Film mit anderen renommierten Martial-Arts-Epen durchaus mithalten. Die von Altmeister Yuen Woo-Ping inszenierten Kampfszenen sind ebenfalls prächtig anzusehen. Nur leider passt hier inhaltlich nicht alles zusammen. Zu beliebig oder teilweise auch konstruiert wirken einige der Storywendungen. Charaktere wie Kronprinz Wu Luan oder Hofdame Qing hätten eine bessere Ausarbeitung verdient. So bleiben manche der großen Emotionen eher Behauptung. Wer sich allerdings von der ansprechenden Ästhetik über die inhaltlichen Schwächen hinwegtrösten lassen kann für den vermag The Banquet als reizvoller Trip funktionieren.

The Banquet ist seit dem 7. April 2008 auf DVD und seit dem 28. Juni 2018 auf BluRay erhältlich.

Fazit: Prunkvolles, schön fotografiertes Wuxia-Drama, dessen Inhalt leider weniger überzeugt. 6 von 10 Punkten.

Kaiserin Wan
Qing und ihr Bruder Yin Sun
Kaiser Li
Prunkvoller Palast


Marius Joa, 29. März 2020. Bilder: Kinowelt/Studiocanal.

 

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