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Von Marius Joa. Publiziert am 12. Mai 2019

Vier befreundete, britische Schauspielikonen treffen sich, um über alte Zeiten zu plaudern. Ein Kamerateam hat die “Dames” begleitet.

 

The Man who killed Don Quixote

Von Marius Joa. Publiziert am 30. Dezember 2018

Nach fast 30 Jahren in der Produktionshölle gelang es dem visionären Filmemacher Terry Gilliam schließlich doch sein absolutes Herzensprojekt zu realisieren: The Man who killed Don Quixote.

The Man who killed Don Quixote
Abenteuerfilm UK, Spanien, Frankreich, Portugal, Belgien 2018. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. 133 Minuten. Kinostart: 27. September 2018.
Mit: Adam Driver, Jonathan Pryce, Joana Ribeiro, Stellan Skarsgård, Óscar Jaenada, Olga Kurylenko, Sergi López, Jordi Mollà u.a. Nach dem Roman Don Quixote von Miguel de Cervantes. Drehbuch: Terry Gilliam und Tony Grisoni. Regie: Terry Gilliam.

 

Quixote vive!

Toby (Adam Driver) ist ein arroganter, selbstverliebter aber gefragter Werbefilm-Regisseur. Als es beim Dreh eines Wodka-Spots in Spanien zum Streit am Set kommt, ergreift Tony die Flucht in Richtung eines nahe gelegenen Dorfes, in welchem er vor zehn Jahren seinen Abschlussfilm über den legendären Ritter Don Quixote gedreht und dabei diverse Einheimische als Darsteller besetzt hatte. Während die mittlerweile erwachsene Angelica (Joana Ribeiro) ihrem Traum von einer großen Schauspielkarriere zugunsten einer Tätigkeit als Escort für reiche Männer aufgeben musste, hat es den damaligen Titeldarsteller Javier (Jonathan Pryce) auch nicht besser erwischt. Der alte Schuhmacher hält sich seit Fertigstellung des Films selbst für den berühmten Ritter und in Toby meint er seinen Knappen Sancho Pansa zu erkennen. Ehe sich der Regisseur versieht, steckt er mitten in einem kuriosen Abenteuer, bei welchem Traum und Realität nicht immer wirklich unterscheidbar sind…

Ein Ritter, der mit eingelenkter Lanze gegen Windmühlen kämpft, die er in seinem Wahn für Riesen hält, das ist nicht nur das bekannte Bild von Don Quixote, sondern beschreibt auch perfekt das Streben Terry Gilliams nach Vollendung seines Wunschprojektes. Nach seiner Zeit mit der anarchischen britischen Comedy-Truppe “Monty Python” macht sich der in den USA geborene Brite vor allem für seine surrealen Bilderwelten wie in den Filmen Brazil (1985), Die Abenteuer des Baron Münchhausen (1988), Brothers Grimm (2005), Das Kabinett des Doktor Parnassus (2009) und zuletzt The Zero Theorem (2013) einen Namen.

Bereits 1989 begann Gilliam mit ersten Arbeiten an einer Verfilmung des Romans von Miguel de Cervantes, nachdem er das Buch in jenem Jahr gelesen hatte. Erste Versuche, eine Adaption (mit Nigel Hawthorne als Don und Danny DeVito als Sancho Panza) auf die Beine zu stellen, scheiterten. Im September 2000 begannen die Dreharbeiten mit dem französischen Schauspieler Jean Rochefort (der extra sieben Monate Englischunterricht genommen hatte) in der Titelrolle und Johnny Depp als Toby. Doch bereits nach wenigen Tagen wurden Sets und Equipment in Spanien von einer Sturzflut beschädigt oder zerstört. Zuvor hatten bereits NATO-Flieger und die angespannte Terminsituation der Schauspieler ihren negativen Beitrag geleistet. Zwei Monate später wurde die Produktion für beendet erklärt.

In den Folgejahren gab es immer wieder Ansätze, das Projekt wiederzubeleben, etwa mit John Hurt als Titelhelden. Erst 2017 sollten diese Mühen Früchte tragen. Mit Jonathan Pryce (Brazil, Fluch der Karibik, Game of Thrones) als Don Quixote und dem jungen Adam Driver (Star Wars: Episode VII bzw. Episode VIII; Paterson) als Regisseur Toby begannen im März 2017 schließlich zum zweiten Mal die Dreharbeiten in der nordspanischen Provinz Navarra. Bei einem Budget von 17 Millionen Euro, welches wesentlich geringer als ursprünglich geplant ausfiel, filmte man außerdem auf den Kanarischen Insel und in Portugal. Zwar drohte der Rechtsstreit Gilliams mit einem früheren Produzenten die Veröffentlichung von The Man who killed Don Quixote noch zu verhindern, doch im Mai 2018 erblickte das Werk auf dem Filmfestival von Cannes endgültig das Licht der Leinwand. Rochefort und Hurt, die beide 2017 verstarben, wurde der Film gewidmet.

Durch die überaus lange Vorlaufzeit, bei welcher sicherlich viele Cineasten nicht mehr damit gerechnet hätten, das Endprodukt jemals in Augenschein nehmen zu können, stieg freilich auch die Erwartungshaltung. Daher zeigten sich viele Filmkritiker und Zuschauer unzufrieden mit dem Ergebnis. Gilliam mag sich den Vorwurf, “nur” einen chaotischen Meta-Trip inszeniert zu haben, vielleicht teilweise gefallen lassen, sein “Don Quixote” zieht aus dieser Herangehensweise aber auch seine Stärken.

Die Handlung entfaltet sich konsequent aus der Sicht des genervten Regisseurs Toby, der eigentlich nur dem Ärger am Sets eines Wodka-Werbespots (natürlich mit dem Thema Don Quixote!) entfliehen wollte, in der Folge aber in eine schräges Abenteuer stolpert. Als Publikum findet man sich fast direkt in den Schuhen Tobys wieder, der sich natürlich fragt, ob das Geschehen real sein könnte, seiner eigenen Fantasie entspricht oder einfach seinen kontinuerlichen Absturz in den Wahnsinn bedeutet. Gilliam spielt hier nicht nur mit den verschiedenen Ebenen, sondern lässt diese zwischenzeitlich verschwimmen. Unterstützt werden diese absichtlichen Unschärfen in der Geschichte auch durch ein aufwändiges aufgezogenes Mittelalter-Reenactment zur Befriedigung der Launen des despotischen, russischen Oligarchen, der den Wodka-Werbefilm in Auftrag gab.

Somit werden auch die beiden Storyebenen als Dopplungen gegenüber gestellt. Die Welt von Königen und Edelleuten, die sich der ständig Verhaltensregeln für Anstand und Ritterlichkeit zitierende Quixote zusammenspinnt sowie die reale Welt des Raubtier-Kapitalismus, in welchem der oben erwähnte Oligarch wie ein absolutistischer Monarch herrscht und seine Mitmenschen wie niederste Untertanen (siehe Angelica) behandelt. So bleibt am Ende dieser mit viel Hemdsärmeligkeit, schrillen Wendungen und Slapstick angereicherten Parabel die Erkenntnis, dass wir als Normalsterbliche vielleicht auch nur arme Irre sind, die ständig vergeblich versuchen mit eingelenkter Lanze das eigene Hamsterrad zu durchbrechen.

Am 7. Februar 2019 erscheint The Man who killed Don Quixote auf BluRay und DVD.

Fazit: Aus Terry Gilliams Lebenstraum The Man who killed Don Quixote ist nach langer Wartezeit nicht nur einfach irgendein Film geworden, sondern ein wahnwitziges Abenteuer zwischen romantisierter Ritterfantasie und schillernd-hohler Wirklichkeit. 8 von 10 Punkten.

 

Die hübsche Angelica
Don Quixote und sein Knappe


Marius Joa, 30. Dezember 2018. Bilder: Concorde.

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