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Viel Spaß!
Von Marius Joa. Publiziert am 22. Januar 2023

Die abrupte, einseitige Kündigung einer Freundschaft auf der titelgebenden Insel, davon handelt Regisseur Martin McDonaghs (“Brügge sehen…und sterben?”, “Three Billboards Outside Ebbing, Missouri”) neuester Film, “The Banshees of Inisherin”.

 

Guillermo del Toro’s Pinocchio

Von Marius Joa. Publiziert am 8. Januar 2023

Mit seiner Adaption des Kinderbuchklassikers Pinocchio hat sich der mexikanische Filmemacher Guillermo del Toro einen Kindheitstraum erfüllt. Seit Dezember ist der Stop-Motion-Animationsfilm bei Netflix abrufbar.

Guillermo des Toro’s Pinocchio
Animationsfilm/Fantasy USA, Mexiko 2022. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. 116 Minuten. Kinostart: 24. November 2022.
Originalsprecher: Gregory Mann (Pinocchio, Carlo), David Bradley (Geppetto), Ewan McGregor (Sebastian J. Cricket), Ron Perlman (Podestà), Finn Wolfhard (Candlewick), Christoph Waltz (Count Volpe), Cate Blanchett (Spazzatura), Tilda Swinton (Wood Sprite/Death), Tim Blake Nelson (Black Rabbits) u.a. Nach Die Abenteuer des Pinocchio von Carlo Collodi. Drehbuch: Guillermo del Toro und Patrick McHale. Regie: Guillermo del Toro und Mark Gustafson.

Düster und wunderschön

Holzschnitzer Geppetto (Originalstimme: David Bradley) lebt ein einfaches Leben mit seinem Sohn Carlo (Gregory Mann). Als Carlo bei einem Bombenangriff stirbt ist Geppetto am Boden zerstört und versinkt für unzählige Jahre im Alkohol. Während eines Wutanfalls fällt der immer noch trauernde Vater die Kiefer über dem Grab seines Sohnes und schnitzt aus dem Holz eine Puppe. Eine von den Geistern des angrenzenden Waldes herbeigerufene blaue Fee (Tilda Swinton) erscheint und erweckt die Holzpuppe namens Pinocchio (Gregory Mann) zum Leben. Geppetto zeigt sich anfangs noch erschreckt, schließt aber auch dank der hilfreichen, sprechenden Grille Sebastian (Ewan McGregor) den Holzjungen schnell in sein Herz. Doch sowohl der schmierige Puppentheater-Direktor Count Volpe (Christoph Waltz) und sein Affe Spazzatura (Cate Blanchett) als auch der faschistische Ortsvorsteher Podestà (Ron Perlman) wollen Pinocchio für ihre Zwecke einsetzen…

Das vom Italiener Carlo Collodi (1826-1890) geschriebene Kinderbuch Die Abenteuer des Pinocchio: Geschichte eines Hampelmanns (Originaltitel: Le Avventure Di Pinocchio: Storia Di Un Burattino) von 1883 wurde bereits hundertmal verfilmt. Die bekannteste Adaption dürfte vermutlich der Disney-Zeichentrickfilm von 1940 sein. Der mexikanische Filmemacher Guillermo del Toro (geboren 1964) hatte diese Version als Kind gesehen und war davon tief beeindruckt. 2008 wurde del Toros eigene Verfilmung des Stoffes angekündigt. Doch bevor die Produktion wirklich ins Laufen kam sollte es noch zehn Jahre dauern. Nach der Weltpremiere beim BFI London Filmfestival im Oktober 2022 und einem kurzen Kinostart im November erschien Guillermo del Toro’s Pinocchio im Dezember 2022 beim Streaminganbieter Netflix. Bereits im September 2022 war das von Robert Zemeckis (Zurück in die Zukunft) inszenierte Live-Action-Remake des oben erwähnten Zeichentrickfilms bei Disney Plus erschienen. Nach dem von den Kritikern gefeierte, an der Kinokasse gefloppten Noir-Drama Nightmare Alley (2021) konnte del Toro mit seiner Horror-Anthologie-Serie Guillermo del Toro’s Cabinet of Curiosities und seiner “Pinocchio”-Version, bei welcher er gemeinsam mit dem animationserfahrenen Mark Gustafson (Der phantastische Mr. Fox) Regie führte, das Jahr 2022 erfolgreich abschließen.

Bereits in seinem mit drei Oscars ausgezeichneten Fantasy-Drama Pan’s Labyrinth (2006) vermischte del Toro Märchenhaftes mit Horror und behandelte dabei den Faschismus in Spanien aus der Sicht eines phantasievollen Mädchens. Irgendwo zwischen Coming-of-Age-Drama, Familienfilm und Fantasy bewegt sich auch sein vorliegendes Werk, wobei del Toro sich den Stoff zu Eigen macht, indem er Figuren verändert, durch andere ersetzt und dem Ganzen einen für ihn üblichen düsteren Anstrich verpasst. Daher erscheint die Altersfreigabe FSK 12 gerechtfertigt und der Film eher für ältere Kinder geeignet. Das Skript von del Toro und seinem Co-Autor, dem Animationskünstler Patrick McHale (Adventure Time), versetzt die Handlung ins Italien zwischen den beiden Weltkriegen, in welchem der Faschismus immer mehr an Einfluss gewinnt. Dieser wird vor allem durch den Ortsvorsteher verkörpert, der im “unsterblichen” Titelhelden den perfekten Soldaten sieht und ihn für den Krieg ausbilden lassen will. Die lebendige Holzpuppe auf seine Weise ausbeuten möchte auch der schmierige Count Volpe, der einen neuen Star für ein Wander-Puppentheater sucht. Sowohl Pinocchio als auch sein Vater erleben eine turbulente, rasante Odyssee mit diversen Schauplätzen und Abenteuern mit teils phantastischen Elementen. Die gelegentlich eingestreuten Musical-Szenen hätte ich jetzt persönlich nicht gebraucht, diese ergänzen die Handlung aber ganz gut.

Wie ich es von del Toro nicht anders erwartet hatte setzt seine Adaption von Collodis Erzählung auf die zeitaufwändigste der Trickfilmtechniken, nämlich Stop-Motion-Animation. Wieviel jahrelange Arbeit in den überaus detailreichen Figuren und Szenerien stecken zeigt sich ziemlich deutlich. Als Basis dienten die Illustrationen von Gus Grimly, der auch als einer der Produzenten fungierte, aus dem Jahre 2002. Noch dazu wurde hier ein überaus namhaftes Ensemble für die Originalfassung versammelt. Kinderdarsteller Gregory Mann spricht sowohl den Titelhelden als auch den früh verstorbenen Sohn Geppettos, der in Anlehnung an Autor Collodi Carlo heißt. David Bradley, bekannt vor allem als Hausmeister Filch in den Harry Potter-Filmen und als Walder Frey in Game of Thrones, leiht Geppetto seine Stimme. Als Grille Sebastian führt Ewan McGregor teils als Erzähler durch die Handlung und zumindest bei mir flackerte da fast ein wenig die Atmosphäre von Moulin Rouge (2001) auf. Mit Ron Perlman als Ortsvorsteher Podestà ist auch del Toros häufigster filmischer Weggefährte (vor allem Hellboy) mit dabei. Neu dabei in del Toros Kabinett renommierter Akteure: Christoph Waltz (Inglourious Basterds, Django Unchained) als mailiziöser Count Volpe und die immer wieder faszinierende Tilda Swinton (zuletzt Memoria und Three Thousand Years of Longing) in einer Doppelrolle als blaue Fee (im Original Wood Sprite) sowie als personifizierter Tod in Gestalt einer Chimäre. Die Stimme von Cate Blanchett (Nightmare Alley, Tár) versteckt sich hinter der Rolle des ausgemergelten Affen Spazzatura, welcher fast nur mit Knurr- und Fauchlauten kommuniziert.

Guillermo del Toro’s Pinocchio ist seit dem 9. Dezember 2022 Teil des Angebots von Netflix.

Fazit: Guillermo del Toros Pinocchio verzaubert als liebevoll-detailreich animierte Mixtur aus Vater-Sohn-Geschichte, Coming-of-Age-Drama und düsterer Fantasy. 8 von 10 Punkten.


Grille Sebastian erzählt

Geppetto

Pinocchio wird zum Star

 

Marius Joa, 8. Januar 2023. Bilder: Netflix.

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